Der Verein beschäftigt sich seit langer Zeit mit dem Thema Sagen und Mythen. Allerdings ist dieser Bereich seit einiger Zeit eingeschlafen.

Auf den Nachfolgenden Seiten findet ihr unsere Sammlung von Sagen und Mythen.

Aber zuerst einmal was sind eigentlich Sagen und Mythen und worin besteht der Unterschied zwischen beiden?

Sagen: Die Sage ist ein anderes Wort für Erzählung. Sie wurde ursprünglich mündlich überliefert und handelt von einer nicht alltäglichen, nicht belegbaren oft wunderbaren Begebenheiten.

Mythen:  Der Mythos ist ein anderes Wort für Überlieferung. Er wurde als … aus der Geschichte eines Volkes bezeichnet. Er befasst sich hauptsächlich mit der Entstehung der Welt und der Erschaffung des Menschen in Zusammenhang mit Göttern und Dämonen.

Unterschied: Sagen beziehen sich auf die besondere Wirkung oder Entstehung von Orten und Landschaften. Meist haben sie einen wahren Kern. Mythen hingegen beziehen sich auf gravierende Veränderungen im Leben der Menschen, mit Götter, Helden oder Dämonenbild.

 

Quelle: Duden, Wikipedia


DAS GOLDLAIBLEIN

Einst hüteten am Ochsenkopfe zwei Knaben und ein Mädchen die Schafe. Die Knaben waren Kinder wohlhabender Landleute; des Mädchens Eltern aber waren arm. Die kleinen Gefährten erzählten sich allerlei Geschichten. Da gesellte sich zu ihnen ein graues Männlein, das aufmerksam ihren Gesprächen zuhörte. Endlich sprach es: "Ihr seid gute Kinder. Darum will ich auch nicht von euch gehen, ohne euch zu beschenken." Es zog aus der Tasche drei Laiblein Brot und gab jedem Kind eines. Darauf entfernte es sich.
Die beiden Knaben lachten über das ärmliche Geschenk und achteten es nicht wert. Der eine nahm sein Laiblein und warf es auf die Erde. Es hüpfte den Berg hinab, bis es sich zwischen struppigem Gebüsch verlor. Da sprach der andere Knabe: "Halt, mein Laiblein muß das deinige suchen!" und warf es ebenfalls auf die Erde. Es nahm denselben Weg wie das erste.
Nun wollten die leichtsinnigen Knaben auch das Mädchen bereden, das Geschenk wegzuwerfen. Die Kleine aber hüllte es eilig in ihr Schürzlein und sprach: "Wie wird es meine Eltern freuen, wenn ich ihnen etwas mit nach Hause bringe!"
Als sie aber heimkam und man das Brot aufschnitt, siehe, da war ein Klumpen Gold hineingebacken, und Reichtum zog ein, wo sonst Mangel herrschte.
Als die beiden Knaben von dem Glück ihrer Gefährtin hörten, gingen sie zurück, um die verschmähten Geschenke des grauen Männleins zu suchen. Allein es war vergeblich.

 

DAS UNWETTER UND KURFUERST JOACHIM I.

Vor anderm ist merkwürdig, was sich Anno 1525 zu Berlin den 15. Juli mit Kurfürst Joachim begeben. Diesen hatte ein Astronomus feierlich gewarnt, daß an demselben Tag ein groß Wetter würde kommen, und wäre zu besorgen, beide Städte Berlin und Kölln möchten untergehen. Ist also mit seiner Gemahlin, der jungen Herrschaft und vornehmsten Bedienten auf den Tempelhofischen Berg gezogen, um die Begebenheit der beiden Städte abzuwarten. Als er aber sich lange da aufgehalten und nichts daraus worden, hat ihn seine Gemahlin, wie sie denn eine sehr gottesfürchtige und christliche Fürstin gewesen, gebeten, daß er möchte wieder hineinziehen und bei seinen armen Untertanen auswarten, was Gott tun wollte, weil sie es vielleicht nicht allein verschuldet, darüber er bewogen, und um vier Uhr gegen Abend wieder gen Kölln gefahren. Ehe er aber an das Schloß gelangt, hat sich ein Wetter bewiesen, und wie er unter das Schloßtor gekommen, dem Kurfürsten vier Pferde vor dem Wagen samt dem Kutscher erschlagen, sonst keinen Schaden mehr getan.

Quelle: J. G. T. Grässe, Sagenbuch des Preußischen Staates 1 - 2. Glogau 1868/71, Nr. 27

 

DES TEUFELS NASE

Zu Hall am Kocher im Schwabenlande ist ein uralt Salzwerk, wie schon des Ortes Name kundgibt, und soll es allezeit um den Salzbrunnen herum merkliche Poltergeister gegeben haben, daher man, sie zu vertreiben, viele Jahre lang stets am Dienstag nach Vocem jucundidatis (Sonntag Rogate) mit Heiltümern prozessionsweise um den Brunnen gegangen ist. Zu einer Nacht erschien der Teufel einem Salzsieder und streckte seine Nase, die außerordentlich groß war, durch einen Spalt in das Hallhaus und schnarchte dabei: Wie gefällt dir die Nas? Kann das auch ein' Nas sein? - da nahm flugs der Siedeknecht einen Kübel siedender Sole und schüttete den dem Teufel auf seine Nase, indem er rief: Kann das auch ein Spaß sein? - Zornig brach jetzt der Teufel durch die Bretterwand, erwischte den Sieder und warf ihn durch die Luft über den Kocher auf den Gänsberg (die Höhe bei dem mittleren Gerberspförtlein), dass ihm alle Rippen krachten, und rief: Kann das auch ein Wurf sein? -

Andere sagen, der Teufel habe den Siedeknecht auf den Steinbruch jenseits dem Kocher beim Haimbacher Törlein geworfen, allwo der Galgen stand, der nachgehends abgebrochen wurde, weil die daranbaumelnden Kadaver, wenn die Sonne gegen sie geschienen, in einige Häuser der Stadt ihre klunkernden Schatten geworfen, was nicht appetitlich, wenn sie über das Essen dahinglitten.

 

DIE KREMPER GLOCKE

Wieviel die Hamburger des Goldes übrig und genug hatten, erhellt aus dieser Sage. Zu Krempe hing eine herrliche Glocke in dem Kirchturm. Es hatte sich bei ihrem Guß etwas Besonderes zugetragen; da nämlich die Speise schon flüssig und alles zum Gusse fertig war, hatte der Meister noch ein Geschäft und befahl dem Lehrjungen die Obhut des Gießofens. Dastand auf einer Kapelle ein Schmelztiegel, in welchem Silber floß, der Meister mochte das wohl zu einer Zier oder Inschrift benutzen wollen, der junge aber meinte, das müsse noch zur ganzen Masse, um sie recht gut und wohlklingend zu machen, und schüttete den Tiegel voll Silbers hinein zur Glockenspeise. Der Meister kam gerade dazu, ergrimmte und schlug mit seinem Stock so hart auf den jungen, daß dieser tot niederfiel. Der Glockenguß fand statt, und als nun die Glocke Maria getauft war, in ihrem Stuhle hing und geläutet wurde, da hatte sie von dem Silber gar einen hellen, reinen Klang, dergleichen noch niemand so schön gehört hatte, aber immer klangen und lautete n die Worte hindurch: Schad um den jungen! Schad um den Jungen.